Geschichte

DruckversionPDF-Version

Erste Bemühungen zur Gründung einer freiwilligen Feuerwehr in Weißenhorn gehen auf das Jahr 1865 zurück. Aus dem Schriftverkehr der Freiwilligen Feuerwehr der im Stadtarchiv aufbewahrt wird, können wir entnehmen, dass nach vorausgegangener münclicher Anfrage des Gemeindevorstehers beim königlichen Bezirksam Illertissen "wegen Gründung einer freiwilligen Feuerwehr", der Gemeindeverwaltung von Weißenhorn bereits am 31. Oktober 1865 "ein Entwurf von ortspolizeilichen Vorschriften über das Feuerlöschwesen zur beliebigen Benützung mitgeteilt" übersandt worden war.

 Feuerwehrspritze


 

 

Feuerwehrspritze der Stadt Weißenhorn, angeschafft im Jahr 1838 ("Große Ausfahrspritze").


 

 

 

Welche Aktivitäten sich in den folgenden Jahren entwickelten, ist aus den Archivalien nicht mehr zu entnehmen. Erst vier Jahre später, am 26. April 1869, traten auf Anregung des königlichen Bezirksamts Illertissen die beiden Gemeindekollegien wieder zusammen, um über die Einrichtung einer freiwilligen Feuehr sowie einen Kostenvoranschlag der Ulmer Firma Magirus für die Anschaffung von "Feuerlösch-Requisiten" zu beraten. Nach Behandlung der beiden Punkte wurde einstimmig beschlossen, "dahier eine Feuerwehr in Leben zu rufen und ca. 300 fl. betragenden Kosten auf die Communal-Caße zu übernehmen".

 kleine Spritze

Abbidlung:

Weißenhorns "Kleine Spritze" im Jahr 1895:

Obere Reihe: Jakob Reisacher, Johann Drößler, Bernhard Thalhofer

Zweite Reihe: Hans Kollmann, G.F. Sälzle, Karl Hitz, H. Holzschuh, Franz Heinreich

Sitzend: Franz Schreiber, Eugen Sälzle, Joh. Lochbrunner, Josef Ehinger, F.Mückenrieder

Liegend: Matthäus Hauf, Georg Betz

 

 

Schließlich wurde noch ein Ausschuss, bestehend aus sechs Mitgliedern, gewählt, dem die Aufgabe zufiel, den Beschluss zur Gründung einer Feuerwehr in die Tat umzusetzen. Dem Ausschuss gehörten Bürgermeister Philipp Jakob Kircher, die Magistratsräte Nicolaus Kurz und Nieß sowie von Seiten des Kollegiums der Gemeindebevollmächtigten der Vorstand Anton Kircher und die Mitglieder Köhrle und Kollmann an. Die ganze Angelegenheit schien jedoch wieder eingeschlafen zu sein, so dass sich der Bezirksamtmann aus Illertissen veranlasst sah, sich beim Bürgermeister nach dem Stand der Sache zu erkundigen. Daraufhin wurde am 22. Mai 1870 vom Kollegium der Gemeindebevollmächtigten erneut ein "Auschus zur Bildung einer Feuerwehr" gewählt. Diesem gehörten nun ausser dem neuen Vorstand der Gemeindebevollmächtigten, Georg Gossner, noch der Maurermeister Sebastian Kerner und der Kaufmann Johann Ils an.

Von Anfang an standen die Gründerväter der Weißenhorner Freiwilligen Feuerwehr auch in Kontakt mit dem Feuerwehrkommandanten der Ulmer Feuerwehr - C.D. Magirus, um so die zu gründende Feuerwehr auch technisch auf den neuesten Stand zu bringen. Gleichzeitig sollte mit diesem Schritt die Ausbildung der Freiwilligen vorangetrieben werden. Magirus versprach in einem Schreiben vom Juni 1870, den Magistrat von Weißenhorn zu benachrichtigen, wenn die Ulmer Feuerwehr eine größere Übung abhalten würde, zu der er den Magistrat und den Ausschuss dann einladen wolle. Er versicherte, "Alles so gut wie möglich zu erklären, damit sie dorten mit der Errichtung Ihrer Feuerwehr ganz zeitgemäß daran sind".

Am 17. Juli 1870 beschloß ein von beiden Gemeinde-Kollegien gewählter Feuerwehrausschuß zur Vorbereitung einer "Gründungsversammlung" bereits konkrete Schritte:

  1. es seien die in dem Verzeichniße des Mechanikers H(errn) Magirus in Ulm aufgeführten Requisiten mit der einzigen     Aenderung, daß statt des Rettungsschlauches eine Schubleiter im Werthe von 72 fl sofort anzuschaffen,
  2. es seien als Steiger-Lieutnant H(err) Maurermeister Kerner und als Spritzen-Hauptmann H(err) Brauereibesiter Georg     Gossner in der demnaechst anzuberaumenden Bürgerversammlung in Vorschlag zu bringen,
  3. es sei auf Mittwoch den 20. d(es) M(ona)ts Abens 7 Uhr eine allgemeine Bürgerversammlung anzuberaumen, und diese durch     oeffentlichen Verruf und Anschlag bekanntgegeben werden,
  4. sei nach Besprechung der Angelegenheit sofort ein Verzeichniß aufzulegen, in welchem die Betheiligung an der zu errichtenden     Feuerwehr unterschriftlich constatirt wird.

Die Stadtverwaltung rief daraufhin in Form einer Bekanntmachung zur Teilnahme an einer öffentlichen Versammlung auf den 20. Juli 1870 auf:

"Nachdem von den beiden Gemeinde-Collegien die Errichtung einer freiwilligen Feuerwehr in hiesiger Stadt beschlossen und die deßfallsigen Vorbereithungen im Ausschuße gepflogen wurden wird zur oeffentlichen allgemeinen Besprechung dieser so hochwichtigen Angelegenheit eine allgemeine Versammlung auf Mittwoch den 20. d(es) M(ona)ts Abends 7 Uhr auf dem Rathhause anberaumt und zur recht zahlreichen allseitigen Betheiligung von Seite der Bürger und Einwohnerschaft hiemit eingeladen."

Auf dieser Bürgerversammlung erklärten 32 Bürger und Bürgersöhne durch Unterschrift zum Beitritt in die Feuerwehr bereit. Dieser Akt gilt heute als Geburtsstunde der Freiwilligen Feuerwehr Weißenhorn. Der Beginn des Deutsch-Französischen Kriegs (19. Juli 1870 bis Februar 1871) erzwang in dieser Angelegenheitnochmals eine Unterbrechung, so dass mit Schreiben vom 25. Juni 1871 das Kollegium der Gemeindebevollmächtigten auf die Umsetzung der bereits vollzogenen Gründung gegenüber dem Stadtmagistrat drängte:

"Nachdem im vorigen Jahr zur Errichtung einer freiwilligen Feuerwehr bereits die notwendige Einleitung getroffen, ein Comite gewählt, und eine Summe Geldes zur Beschaffung der nothwendigsten Feuerwehr-Geräthschaften, sowohl von Seite des Stadtmagistrats, als auch vom unterfertigtem Collegium genehmigt wurde, andererseits die meisten jungen Männer aus dem Feldzuge zurückgekehrt", wolle nun derselbe "die betreffende Angelegenheit nicht länger mehr verschleppen und die Ausführung derselben in möglichster Bälde bethätigen."

Bis zum 15. August 1871, auf welchen Tag eine zweite Versammlung anberaumt worden war, war die Bereitschaft, der Freiwilligen Feuerwehr beizutreten, weiter gewachsen, so dass sich bereits 80 Bürger und Bürgersöhne durch Unterschrift zum Beitritt verpflichteten. Auf dieser Versammlung wurde der Goldwarenfabrikant Nikolaus Kurz zum Vorstand des Kollegiums der Gemeindebevollmächtigten, Georg Gossner, den man wohl als die treibende Kraft bezeichnen kann, zum Hauptmann, der Maurermeister Franz Deibler zum Adjudanten, der Spengler Julius Wörsing zum Zeugwart und der Kaufmann Michael Kollmann zum Kassier gewählt. Am 24. August 1871 wurden die neuen Feuerwehrmitglieder ins Rathaus geladen, wo jeder eine Erklärung abzugeben hatte, welcher Charge er zugeteilt werden wollte. Danach wurde die Mannschaftseinteilung und die Wahl der jeweiligen Rottenführer und Spritzenmeister vorgenommen. Abschließend fand, nach Bildung des Verwaltungsrates eine Beratung über die zu erstellenden Statuten statt, welche am 8. Oktober 1871 in Kraft traten.

Am 26. August traf der Turnlehrer Wieser aus Memmingen in Weißenhorn ein. Am nächsten Tag sollte er auf dem Turnplatz die Mannschaftseinteilung durchführen "als auch die weiters nöthigen Unterweisungen in Handhabung der Feuerlösch-Requisiten pp. geben". Dass dies ein Turnlehrer war, kam nicht von ungefähr. Auch der Bayerische Landes-Feuerwehrverband wies daraufhin, besonders die frische Blüte stehenden Turnvereine" aufzumuntern und in ihren Vereinen besondere Abteilungen für Feuerwehrdienste auszubilden bzw. einzelne Mitglieder zum Feuerwehrbeitritt zu bestimmen. Auch in Weißenhornfiel dieser Aufruf auf fruchtbaren Boden. So rekrutierte sich der Steigerkorps der Freiwilligen Feuerwehr ausnahmslos aus aktiven Turnern. Durch ihre turnerische Betätigung hatten sie sich besondere körperliche Gewandtheit erworben und die Leiter war in den Anfängen des Turnsports eines ihrer wichtigsten Turngeräte. So mutet es schon als Zeichen der Verbundenheit an, dass auf der Umschlagseite der Statuten der Weißenhorner Feuerwehr von 1871 der Lorberkranz der Turner mit den vier "F" für "Frisch- Fromm- Fröhlich - Frei" - abgebildet ist. Am 15 Oktober 1871 legten jene, welche sich zum Eintritt angemeldet hatten, im Rathaus ihre Verplichtung zur Freiwilligen Feuewehr" durch Abnahme des Handgelöbnisses" ab.

Auch die körperliche Befähigung, die für den Eintritt in die Feuerwehr notwendig war, führte in Weißenhorn zu einer Episode, die sich durch ein Bild und die dazugehörige Geschichte des Maler Anton Bischof bis in unsere Zeit hinein überliefert hat:

"Warum stieg Veh auf den Turm? ....Joseph Veh hat mir folgendes erzählt:

In den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts brannte in Wien ein großes Theater nieder, weil bei Ausbruch des Brandes keinerlei Feuerschutz oder Feuerwehrkommando da war. Daraufhin wurde überall, also auch in Deutschland, ein Theater-Feuerschutz organisiert. So auch im Weißenhorner Stadttheater. Am 31. Oktober 1887 war eine Zusammenkunft im Feuerwehrhaus. Raimund Zeller, damaliger Bauherr der Stadt hatte die Feuerwache auszusuchen und zu bestimmen. Zeller meinte, die Feuer-Wach-Männer müßten große starke und mutige Männer sein und die beiden BrüderJoseph und Karl Veh seien zu klein und schwach dazu. Karl Veh machte sich wohl weniger daraus, aber Joseph Veh fühlte sich als tüchtiger Feuerwehrmann und sonst schneidiger Mensch in seiner Ehre gekränkt und hatte sich aus Protest am Abend des selben Tages im Gasthof Engel verschiedene Halbe zugelegt und in seinem gerechten Zorn sagte er, dass er heute noch über den Kirchturm heimgehen werde!! Und nachts um 12.30 bestieg er in seiner gereizten Stimmung den Turm. Als er oben am Kreuz angelangt war, rief er herunter, - so, jetzt soll der Zeller kommen und soll schauen, ob ich schwach bin und nichts leisten kann. Er hat auch sonst noch einen kräftigen Gruß heruntergerufen - . Der 22-jährige Kunstakademiker Moritz Schmid war auch mit Veh. Schmid versuchte zuerst den Aufstieg, aber in 10 m Höhge gab dieser auf. Das ist allein der richtige Tatbericht. Anton Bischof"

Auf die Vorderseite des Bildes schrieb Anton Bischof folgenden Test:

"Obige Skizze stellt dar, den ehemaligen Maurer - Joseph Veh - aus Weißenhorn im 82. Lebensjahr. Dieser Mann bestieg im Alter von 27 Jahren den 54 m hohen Turm der Stadtpfarrkirche zu Weißenhorn am Blitzableiterdraht und band an der höchsten Spitze des durchbrochenen Kreuzes sein Taschentuch, zum Beweis, daß er diese enerhörte Leistung wirklich vollbracht hatte. Veh führte diese Tat aus, ohne irgenwelchen körperlichen Schaden zu nehmen. So geschehen in der Nacht (12.30) vom 31. Oktober zum 1. November 1887.

Weissenhorn am 12. August 1941 A.B."

 Jubiläum

 

 

60-jähriges Jubiläum am 18. Mai 1930. Aus diesem Anlaß erhielt die Freiwillige Feuerwehr Weißenhorn ihre ersten Uniformen